Was ist Diabetes und welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Der Diabetes mellitus - die Zuckerkrankheit - ist eine Stoffwechselstörung, bei der im Blut der Gehalt an Zucker (Traubenzucker, Glukose) zu hoch ist. Es ist eine chronische Erkrankung, die langfristig ärztlich behandelt werden muß.

Die Ursache ist ein absoluter Insulinmangel (Typ I) oder ein relativer Insulinmangel (Typ II). Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas, in den Betazellen) gebildet wird und von dort in den Organismus gelangt. Dieses Hormon hat vielfältige Aufgaben im Rahmen des Stoffwechsels. Die wichtigste ist die Senkung des Blutzuckers. Das Insulin macht die Zellwand der Körperzellen für Glukose (vom menschlichen Organismus aus der Nahrung gewonnener Zucker) durchlässig. In der Zelle angelangt, wird die Glukose sofort verbrannt. Dieser Prozeß liefert dem Körper die notwendige Energie zum Leben.

Nicht nur Diabetiker haben Zucker im Blut. Jeder Mensch braucht im Blut einen gewissen Zuckergehalt. Die Normalwerte: nüchtern (vor dem Essen): 3,9–5,5 mmol/l, entsprechend 70–99 mg/dl. Postprandial: (nach dem Frühstück): bis maximal 8,9 mmol/l, entsprechend 160 mg/dl.

Unterteilung des Diabetes mellitus und charakterische Unterschiede
Kriterien Typ I Typ II
Insulinbedarf insulinabhängig insulinunabhängig
Manifestationsalter Kindheit, Jugendalter mittleres bis späteres Alter, meistens über dem 40. Lebensjahr
Erbliche Veranlagung schwach ausgeprägt stark ausgeprägt
Gewicht Normal- oder Untergewicht ohne Übergewicht: Typ IIa mit Übergewicht: Typ IIb
Insulinempfindlichkeit deutlich ausgeprägt gering ausgeprägt
Ansprechbarkeit auf Sulfonylharnstoffe keine gute
Blutzuckerschwankungen große relativ konstant
Ursachen erbliche Veranlagung, Virusinfektionen,Umwelteinflüsse Übergewicht, Alter, Lebensweise,Alkohol, Schwangerschaft
Behandlung Insulin Gewichtsreduktion, Sulfonylharnstoffe, Insulin
Beginn der Erkrankung oft plötzlich, Bauchspeicheldrüse produziert viel zu wenig oder gar kein Insulin mehr Entwicklung schleichend: steigendes Körpergewicht führt zusteigendem Insulinbedarf. Mögliche Folge: Überforderung der insulinbildenden Zellen

Ziel der Behandlung (sowohl von Typ I als auch von Typ II) ist die Vermeidung von Folgeschäden und der Erhalt bzw. die Verbessung der Lebensqualität.

Folgeschäden des Diabetes sind:

Makroangiopathien an den großen und mittleren Arterien. Diese sind gleichzusetzen mit der Arteriosklerose, wie sie auch bei Nichtdiabetikern auftritt. Begünstigende Risikofaktoren sind: Rauchen, Übergewicht, erhöhte Blutfette sowie hoher Blutdruck. Folgen davon sind Durchblutungsstörungen, insbesondere:

  • des Herzens (Gefahr des Herzinfarktes)
  • des Gehirns (Gefahr eines Schlaganfalls)
  • der Beine (Schmerzen in Waden und Oberschenkeln, die durch eine herabgesetzte Schmerzempfindung zu schweren Fußschäden führen)

Mikroangiopathien an den kleinsten Gefäßen (Kapillaren). Darunter versteht man Veränderungen und dadurch bedingte Durchblutungsstörungen an den kleinsten Blutgefäßen. Diese treten sehr häufig bei Diabetikern auf. Besonders betroffen sind:

  • die Netzhaut der Augen (Retinophathie)
  • die Niere (Nephropathie)
  • die Nerven (Neuropathie)

Die Behandlung des Diabetes und seinen Folgeschäden erfolgt ausschließlich durch den Arzt. Für eine erfolgreiche Therapie ist die Mitarbeit des Patienten unbedingt notwendig. Hierbei stehen wir als Apothekenmitarbeiter an Ihrer Seite.

Messung des Blutzuckerspiegels

Selbstkontrolle

Leben mit DiabetesUm die Folgeschäden des Diabetes gering zu halten, ist es notwendig den Blutzucker so normal wie möglich einzustellen. Da der Blutzucker ein stark schwankender Wert ist, muß dieser Wert laufend korrigiert werden. Nur ein bekannter Wert kann korrigiert werden. Daraus resuliert die Forderung nach Selbstkontrolle. Für nichtinsulinspritzende Typ-II-Diabetiker ist die Harnzuckermessung als Selbstkontrolle oft ausreichend. Bei insulinspritzenden Diabetikern (Typ-I u. Typ-II) ist die Blutzuckerselbstmessung unumgänglich.

1. Harnzuckermessung

Tritt die Glukose im Blut über die Nierenschwelle, ist eine Harnzuckermessung möglich. Die Nierenschwelle (liegt normalerweise bei 160-180 mg/dl Blutglukosekonzentration) ist individuell unterschiedlich und verändert sich im Laufe des Lebens. Der Harnzuckermessende sollte sie kennen und einmal pro Jahr vom Arzt nachkontrollieren lassen. Die Harnzuckermessung erfolgt mittels Teststreifen, welche mit Urin benetzt werden. Besonders geeignet sind halbquantitative Teststreifen, da sie differenziert bis 5% messen. Es können also auch fallende und steigende Tendenzen erfaßt werden. Meist sind zwei bis drei Kontrollen pro Woche ausreichend. Ist der Harnzucker positiv, sollte jedoch täglich kontrolliert werden. Außerdem ist der Arzt zu verständigen. Die günstigste Testzeit ist zwei Stunden nach dem Frühstück. Auch für Typ-I Diabetiker ist die Harnzuckerkontrolle sinnvoll, z.B. im ersten Morgenurin, um zu kontrollieren, ob der Blutzucker nachts über der Nierenschwelle gelegen hat.

2. Blutzuckermessung

Blutzuckerselbstmessung ist bei insulinspritzenden Diabetikern (Typ I u. II) möglich! Aber auch bei vielen nichtinsulinspritzenden Typ II-Diabetikern gewinnt die Blutzuckermessung an Bedeutung. So können Veränderungen wie: Ernährungsfehler, Krankheit u. veränderte Lebensbedingungen rechtzeitig erkannt werden. Bedingung dafür ist eine korrekte Dokumentation in ein Tagebuch, welches regelmäßig mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollte. Wichtigste Voraussetzung für die Blutzuckerselbstkontrolle ist die korrekte Gewinnung des Bluttropfens. Hierfür stehen von der Industrie spezielle Stechhilfen zur Verfügung.

Blutprobe gewinnen
  • die Hände müssen warm und trocken sein (mit warmem Seifenwasser waschen und gut abtrocknen / desinfizieren ist nicht erforderlich)
  • zur Blutabnahme sind alle Finger, außer dem Daumen, geeignet.
  • die Einstichstelle bei jeder Blutentnahme wechseln
  • die Einstichstelle immer seitlich der Fingerbeere (weniger Nerven und bessere Blutgewinnung)
  • je stärker der Druck gegen den Finger, desto tiefer der Einstich (einige Stechhilfen bieten eine Einstellung der Stechtiefe an)
  • Finger leicht drücken und einen großen Blutstropfen gewinnen

Therapiemöglichkeiten bei Diabetes

Ziel einer Diabetes-Therapie muß die Einstellung des Patienten auf einen dauerhaften und annähernd normalen Blutzuckerspiegel sein. Dadurch werden akute Stoffwechselentgleisungen vermieden und die Erhaltung der Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens erreicht. Dieses Ziel kann nur durch aktive Mitarbeit der Patientin bzw. des Patienten erreicht werden. Hierfür ist ausreichende Information in Form einer Diabetikerschulung durch den Arzt, sowie das Zusammenspiel Arzt-Apotheke-Patient notwendig.

Diabetikerschulungen werden von Kliniken und Arztpraxen angeboten. Die Behandlung und Therapie erfolgt ausschließlich durch den Arzt. Trotzdem sollen hier die Therapiemöglichkeiten kurz vorgestellt werden:

  • Diät allein
  • Diät und orale Antidiabetika
  • Diät, orale Antidiabetika und Insulin
  • Diät und Insulin

Beim Typ-I-Diabetes muß die ausgefallene körpereigene Insulinproduktion durch gespritztes Insulin ersetzt werden. Die Insulinmenge muß mit den über die Nahrung aufgenommenen Kohlenhydraten in Einklang gebracht werden, und beides muß auf die körperliche Aktivität der Patientin bzw. des Patienten abgestimmt sein. Der Typ-II-Diabetes ist in den meisten Fällen auf Übergewicht zurückzuführen. So steht hier die Gewichtsreduktion durch Diät und körperliche Aktivität an erster Stelle der Behandlung. Erst wenn hier alle Möglichkeiten erschöpft sind, greifen die anderen Therapiemöglichkeiten.

Wir als Apotheke bieten zu allen Therapiemöglichkeiten umfassende Beratung an. Besonders in Bezug auf alle Hilfsmittel wie z.B. Blutzuckermeßgeräte, Blutdruckmeßgeräte und Insulin-Pens, sowie alle unterstützenden Maßnahmen wie Fußpflege, Vitaminzufuhr, Diät, usw. Schauen Sie vorbei, wir freuen uns auf Sie!

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